Ortskern neu beleben und zukunftsfit gestalten
Wie werden Ortskerne wieder lebendig? In der Dorfwerkstatt zeigt wurde diskutiert, wie Gemeinden Leerstand aktivieren und neue Impulse für starke Zentren setzen können.
© Dorf- & Stadterneuerung
Mit konkreten Beispielen, wie Gemeinden ihre Zentren nachhaltig stärken können, wurden Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Dorfwerkstatt „Ortskerne neu beleben und zukunftsfit gestalten“ begrüßt. Im Fokus standen innovative Ansätze, Bürgerbeteiligung und praxisnahe Werkzeuge für eine erfolgreiche Ortskernentwicklung.
Lebendiges Dorfzentrum gesucht und gefunden
Ein anschauliches Beispiel liefert die Gemeinde Asperhofen: Im Zentrum steht eine leerstehende Volksschule, eingebettet in das Ensemble aus Kirchenareal und Gasthaus. Ziel ist es, dieses Gebiet gemeinsam mit der Bevölkerung zu einem lebendigen, multifunktionalen Ortszentrum weiterzuentwickeln.
Bürgerbeteiligung ist meiner Meinung nach das Um und Auf im Rahmen eines Ortskernentwicklungsprozesses. Durch die Mitarbeit interessierter Dorfbewohner und Dorfbewohnerinnen steigt die Akzeptanz bei Gemeindevorhaben. Gleichzeit festigen Bürgerbeteiligungsprozesse die Bindung der Einwohner und Einwohnerinnen zu ihrer Heimatgemeinde.
Bürgermeister Harald Lechner, Asperhofen
Dazu wurde ein partizipativer Ortskernentwicklungsprozess gestartet. In mehreren Workshops erarbeiteten Bürgerinnen und Bürger gemeinsam mit Politik und Verwaltung konkrete Ziele, Ideen und Maßnahmen. Ergebnis ist ein strukturierter Maßnahmenplan inklusive Ortskernabgrenzung und Analyse des Ist-Standes.
Ortskernteam treibt Umsetzung voran
Zur nachhaltigen Umsetzung wurde ein Ortskernteam gegründet, das den Prozess kontinuierlich begleitet. Erste Projekte wie die Neugestaltung des Kirchenplatzes und die Nachnutzung der alten Volksschule zeigen, wie aus Ideen konkrete Vorhaben entstehen.
Ergänzend berichtete Daniel Brüll (Ortskernkoordinator der Dorf- & Stadterneuerung) von Exkursionen nach Bayern und Südtirol, bei denen erfolgreiche Beispiele der Ortskernentwicklung besucht wurden. Der direkte Austausch mit engagierten Akteurinnen und Akteuren vor Ort lieferte wertvolle Impulse und zeigte praxisnah, wie lebendige Ortskerne entstehen können.
Herausforderungen
Die Entwicklung von Ortskernen steht vor vielfältigen Aufgaben:
- Leerstand und fehlende Nachnutzung zentraler Gebäude.
- Demografische Veränderungen und veränderte Wohn- und Arbeitsformen.
- Auswirkungen von Onlinehandel und veränderten Konsumgewohnheiten.
- Hoher Abstimmungsbedarf zwischen Politik, Verwaltung und Bevölkerung.
- Komplexität langfristiger Planungs- und Entwicklungsprozesse.
Lösungsansätze für die Praxis
Die Dorfwerkstatt zeigte konkrete Strategien für eine erfolgreiche Ortskernentwicklung:
- Partizipation stärken: Die Einbindung der Bevölkerung ist entscheidend für Akzeptanz, Identifikation und innovative Lösungen.
- Prozesse strukturieren: Klare Zielbilder, Maßnahmenpläne und definierte Ortskernabgrenzungen schaffen Orientierung.
- Ortskern als Ganzes denken: Multifunktionale Nutzung mit Wohnen, Arbeiten, Versorgung und sozialen Angeboten kombinieren.
- Neue Modelle nutzen: Genossenschaften, Vereine oder alternative Betreibermodelle können Leerstände sinnvoll aktivieren.
- Strategisch investieren: Der gezielte Erwerb und die Entwicklung von Schlüsselimmobilien im Ortskern setzen wichtige Impulse.
- Wissen nutzen: Exkursionen, Best-Practice-Beispiele und externe Expertise unterstützen Gemeinden bei der Umsetzung.
- Schrittweise umsetzen: Ortskernentwicklung ist ein langfristiger Prozess, der politisches Commitment, Know-how und Ausdauer erfordert.
Die zentrale Erkenntnis: Erfolgreiche Ortskernentwicklung entsteht nicht über Nacht. Sie ist ein kontinuierlicher Prozess, der vom Zusammenspiel aus Engagement, klarer Strategie und aktiver Beteiligung lebt. Das Beispiel Asperhofen zeigt, wie Gemeinden diesen Weg erfolgreich starten und ihre Ortskerne zukunftsfit gestalten können.